Lichtdurchfluteter Rundbau
Kapelle bei Brünn von RCNKSK

Die Kapelle der Schmerzensmutter steht etwas südlich des Dorfs auf einer kleinen Anhöhe. © Ondřej Bouška
Das 350-Seelen-Dorf Nesvačilka liegt rund 20 km südöstlich von Brünn in der flachen, weitgehend baumlosen Landschaft Südmährens. Die Häuser reihen sich an der langen, nach Süden leicht ansteigenden Dorfstraße auf. Seit seinen Ursprüngen in der Zeit des Barock hat sich das Dorf kaum verändert.


Von allen Seiten strömt Licht durch kleine Fenster ins Innere der Kapelle © Ondřej Bouška
Zwölf Jahre Planungs- und Bauzeit
Geblieben ist auch die Sehnsucht der Dorfbewohner nach einer Kapelle als Ort der inneren Einkehr. Seit über 100 Jahren gärte dieser Wunsch in der Bevölkerung bereits, bis Pater René Strouhal das Projekt gemeinsam mit dem jungen Prager Architekturbüro RCNKSK anging. Zum Projektstart 2012 studierten die beiden Bürogründer Jan Říčný und Filip Kosek noch an der Prager Akademie für Kunst und Architektur. „Damals ahnte ich noch nicht, dass diese Entscheidung uns auf eine zwölfjährige Reise schicken würde“, schreibt Jan Říčný heute rückblickend.
Weithin sichtbarer Rundbau
Als Standort der Kapelle wählte das Projektteam die leichte Anhöhe südlich des Dorfs, von wo aus der Blick schier endlos in die Weite geht. „Die Verwendung von natürlichen Materialien wie Stein und Holz, die in dieser Region selten sind, hat eine symbolische Bedeutung: den Glauben in eine ausgedörrte Landschaft zu bringen. Ich entschied mich für das Konzept eines Zentralbaus, das auf der Hügelkuppe als Leuchtturm stehen sollte, als Orientierungspunkt im Raum und im Geist“, schreibt Říčný weiter.


Ein mehrere Meter hoher Gneissockel trägt die Wände und das Dach aus Holz. © Ondřej Bouška


© Ondřej Bouška
Baumaterialien mit Symbolik
Als Schutzpatronin des Bauwerks wählte die Gemeinde die Schmerzensmutter. Viele Elemente des Neubaus enthalten symbolische Anspielungen auf ihr Schicksal und auf die Beziehung der Menschen zu Gott: Der mehrere Meter hohe Gneissockel, auf dem die Kapelle steht, soll etwa den Menschen symbolisieren – stur, ungehorsam und schwer zu formen. „Aus diesen Steinen ragen sieben Balken in den Himmel, die die sieben Schmerzen Marias symbolisieren und uns mit Gott verbinden. Vom Himmel fällt ein Schleier aus Marias Tränen, die über uns weinen. Die filigrane Holzstruktur, die mit kleinen Fenstern durchsetzt ist, lässt das Sonnenlicht jederzeit in das Herz der Kapelle eindringen“, so Jan Říčný. Der Boden des Sakralbaus und sein Altartisch bestehen aus Stampflehm. Die sieben mächtigen Tragbalken münden oben in einen zentralen Okulus, aus dem sich außen ein filigraner Stahlturm erhebt. Umgeben ist die Kapelle von einem Kranz aus Kreuzwegstationen, eine Allee mit Apfelbäumen führt von der Hauptstraße herauf.


Sieben handgefertigte Dachbalken tragen den Dachstuhl. Boden und Altartisch bestehen aus Stampflehm. © Ondřej Bouška


© Ondřej Bouška
CNC-gefräste Holzkonstruktion
So archaisch die Konstruktion in Teilen anmutet – die Form des Gebäudes ist zeitgenössisch und die Holzkonstruktion der Fassade ebenso. Ihre tragende Lamellenstruktur besteht aus rund 1000 Holzelementen, die mit der CNC-Fräse hergestellt wurden und mit Zapfen und Keilen miteinander verbunden sind. Man betritt den Kapellenraum durch fünf Meter hohe Türen und spürt unmittelbar danach einen nach oben gerichteten Sog, hervorgerufen durch die Zeltdachstruktur und die flirrenden Lichtpunkte, die von allen Seiten durch die Fenster hereinfallen. Finanziert wurde der Kapellenneubau allein durch Spenden – ein Faktor, der maßgeblich war für die lange Bauzeit. 2024 konnte das Bauwerk endlich eingeweiht werden. Doch die Gemeinde sammelt fleißig weiter Spenden, um sich eines Tages auch eine Orgel auf der Empore über dem Eingang leisten zu können.
Architektur: RCNKSK
Bauherr: Römisch-katholische Gemeinde von Moutnice
Standort: Nesvačilka, 664 54 Těšany (CZ)
Tragwerksplanung: Vít Mlázovský, Filip Chmel
Landschaftsarchitektur: Eva Wagnerová
Bauunternehmen: Zámečnictví Fiala, Kovopoláček