Ein Herz für Masdar City

In Abu Dhabi geht Masdar City, die wohl meistdiskutierte Öko-Stadt der Welt, allmählich von der Konzeptions- in die Umsetzungsphase. Erste Gebäudekomplexe sind bereits im Bau, und nun steht auch der Entwurf für die „Masdar Plaza“, einen Multifunktions-Gebäudekomplex im Zentrum der Stadt. Er stammt von LAVA Architects aus Stuttgart, Sydney und Abu Dhabi.
Masdar Plaza soll ein Fünf-Sterne-Hotel, ein weiteres Hotel für Langzeitgäste, sowie ein Konferenzzentrum und Ladenflächen unter seinem Dach vereinen. Überdacht ist auch die zentrale Plaza innerhalb des Gebäudekomplexes: Faltbare Sonnenschirme – die Architekten nennen sie „Petals from Heaven“, deutsch etwa: „Blütenblätter des Himmels“ – verschatten den Platz. Tagsüber nutzen sie die Energie der Sonne durch mehr als 6000 m2 auf der Oberseite integrierte Photovoltaikzellen, nachts können sie eingeklappt werden und unterstützen dadurch die Abstrahlung der Wärmeenergie aus dem Platzraum.
Zentraler Entwurfsgedanke für den Neubau war, nicht ein Gebäude oder einen Innenraum, sondern einen öffentlichen Platz ins Zentrum der neuen Stadt zu stellen. Der Entwurf für Masdar Plaza verbindet den Architekten zufolge die Funktion des römischen Forum oder eines europäischen Stadtplatzes mit der Atmosphäre einer Wüsten-Oase, während die Gestaltung der ihn umgebenden Fassaden von den erodierenden Felswänden arabischer Flusstäler, sogenannter Wadis, inspiriert ist. Nicht umsonst sprechen die Architekten von einem zentralen „Canyon“, der das Fünf-Sterne-Hotel erschließt.
Ein Klimasystem für öffentliche Plätze
Für das Klimakonzept für Masdar Plaza zeichnete die Transsolar GmbH verantwortlich. Laut Projektleiter Wolfgang Keßling gab vor allem das Konzept der von Sonnenschirmen überdachten Plaza den Ausschlag für den Wettbewerbsgewinn. Soziale Nachhaltigkeit, so die Klimaingenieure, misst sich vor allem an der Intensität der Aktivitäten im öffentlichen Raum. Um diese jedoch überhaupt erst entstehen zu lassen, müssen gerade in heißen Klimazonen die Kriterien des klimatischen Komforts erfüllt werden. Für den zentralen Platz in Masdar Plaza wäre dies ohne zusätzliche Klimatisierung nur zwischen Oktober und April möglich, so Transsolar. In den feuchtheißen Sommermonaten sind dagegen zusätzliche Maßnahmen zur Verschattung und Kühlung erforderlich.
Das Klimakonzept zielt darauf ab, die von den Nutzern wahrgenommene Temperatur auf dem Platz auf 32 °C zu begrenzen, was unter den Klimabedingungen Abu Dhabis als hervorragend gilt. Neben der Lufttemperatur wird die wahrgenommene Temperatur von der Luftfeuchte, den Strahlungstemperaturen der Oberflächen rund um den Platz, lang- und kurzwelliger Strahlung, Windgeschwindigkeit, Kleidung und Aktivität der Personen beeinflusst. Das soziale Leben spielt sich in Abu Dhabi vorwiegend während der Abend- und Nachtstunden im Freien ab. Um den Komfort für die Nutzer lokal zu verbessern, müssen auf dem Platz in dieser Zeit nicht nur die Lufttemperatur, sondern auch die Luftfeuchte in Grenzen gehalten und der Zustrom heißerer Luft aus anderen Teilen der Stadt auf ein Minimum beschränkt werden.
Die Sonnenschirme verschatten rund 22.000 Quadratmeter, das sind 85 Prozent der gesamten Platzfläche. Sie sollen die solare Wärmeeinstrahlung auf Platzebene auf 10 Prozent des Niveaus reduzieren, das sich ohne Verschattung einstellen würde. Um dies zu erreichen, erhielten sie unter anderem auf der Unterseite eine low-e Beschichtung. Nachts werden alle Schirme zusammengefaltet, um die Auskühlung des Platzes zu beschleunigen.
Vermutlich der – für mitteleuropäische Verhältnisse – ungewöhnlichste Aspekt von Masdar Plaza ist, dass Teile des Platzes zu bestimmten Tageszeiten aktiv gekühlt werden. Dies geschieht auf zwei Wegen: über eine Fußbodenkühlung mit Wasser, das durch hocheffiziente Kältemaschinen bereitgestellt wird, sowie über eine „sanfte Klimatisierung“ mit einem System, dessen Luftauslässe sich in den Masten der Sonnenschirme sowie in den Arkadenzonen rund um den Platz befinden.
Eine Deckung des elektrischen Energiebedarfs aus fossilen Quellen kommt für die Klimaingenieure von Transsolar nicht in Frage, so Wolfgang Keßling. Der Strombedarf für die Kühlung wird durch die Photovoltaik-Zellen auf den Sonnenschirmen komplett gedeckt. Im Jahresdurchschnitt entsteht sogar ein Überschuss, der ins öffentliche Netz eingespeist werden soll.
80 Prozent unter Standard
Für alle Gebäude, die in Masdar City errichtet werden, gelten strenge Energie- und Umweltstandards: Auf den Dächern der Stadt muss übers Jahr hinweg ebenso viel Strom erzeugt werden, wie den Gebäuden verbraucht wird. Der Energieverbrauch der Gebäude liegt durchschnittlich rund 80 Prozent unter dem derzeitigen Standard in Abu Dhabi, der Wasserverbrauch soll lediglich 40 Prozent des heute in der Region Üblichen betragen. Darüber hinaus sind Regenwassernutzung und Grauwasserrecycling vorgesehen. Für die Dächer von „Masdar Plaza“ schlagen die Architekten Hydrokultur-Gärten vor, in denen Obst und Gemüse für die Hotel-Restaurants innerhalb des Gebäudekomplexes gezüchtet werden sollen. Sie sollen mit dem im Hotel anfallenden Grauwasser bewässert werden. Die Verschmutzung durch Emissionen sollte dabei kein Problem sein: Masdar City ist komplett frei von Autos mit Verbrennungsmotoren; den Verkehr bewältigen Elektromobile, die auf einer Ebene unterhalb der Plaza verkehren.
Für alle Gebäude, die in Masdar City errichtet werden, gelten strenge Energie- und Umweltstandards: Auf den Dächern der Stadt muss übers Jahr hinweg ebenso viel Strom erzeugt werden, wie den Gebäuden verbraucht wird. Der Energieverbrauch der Gebäude liegt durchschnittlich rund 80 Prozent unter dem derzeitigen Standard in Abu Dhabi, der Wasserverbrauch soll lediglich 40 Prozent des heute in der Region Üblichen betragen. Darüber hinaus sind Regenwassernutzung und Grauwasserrecycling vorgesehen. Für die Dächer von „Masdar Plaza“ schlagen die Architekten Hydrokultur-Gärten vor, in denen Obst und Gemüse für die Hotel-Restaurants innerhalb des Gebäudekomplexes gezüchtet werden sollen. Sie sollen mit dem im Hotel anfallenden Grauwasser bewässert werden. Die Verschmutzung durch Emissionen sollte dabei kein Problem sein: Masdar City ist komplett frei von Autos mit Verbrennungsmotoren; den Verkehr bewältigen Elektromobile, die auf einer Ebene unterhalb der Plaza verkehren.
Die Architekten
Das Architekturbüro LAVA wurde 2007 von drei Deutschen gegründet: Chris Bosse, dem Architekten der olympischen Schwimmhalle „Water Cube“ in Peking (seinerzeit noch mit PTW Architects aus Sydney), Tobias Wallisser, einst Projektleiter des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart (mit UN Studio), sowie Alexander Rieck, Architekt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart und dort maßgeblich an dem Zukunftsforschungsprojekt „Office 21“ beteiligt.
Das Architekturbüro LAVA wurde 2007 von drei Deutschen gegründet: Chris Bosse, dem Architekten der olympischen Schwimmhalle „Water Cube“ in Peking (seinerzeit noch mit PTW Architects aus Sydney), Tobias Wallisser, einst Projektleiter des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart (mit UN Studio), sowie Alexander Rieck, Architekt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart und dort maßgeblich an dem Zukunftsforschungsprojekt „Office 21“ beteiligt.
Planungsbeteiligte
Architekten:
LAVA Architects, Stuttgart/Sydney/Abu Dhabi
Chris Bosse, Tobias Wallisser, Alexander Rieck
mit Sebastian Schott, Jarrod Lamshed, Timothy Schreiber, Stephan Albrecht, Dominyka Mineikyte, Kristof Gavrielides, Kim Nguyen Ngoc, Anh-Dao Trinh, Achim Kaufer, Gilles Retsin, Erik Escalante, Esan Rahmani, Michael Huiss, Martin Völkle, Justus Dietz, Alana Green, Ania Apolinarska, Sirri Jundi, Jonas Epper, Pascal Tures, Andrea Dorici
mit Kann Finch Dubai (Bob Nation, Gary Power, Philip Pedashenko)
Fachplaner und Berater:
Sonnenschirme: SL Rasch GmbH, Leinfelden-Echterdingen (Jürgen Pradatsch)
Tragwerks- und Energieplanung Gebäude: ARUP Sydney (Andrew Johnson, Haico Schepers, Adam Jackaway)
Landschaftsachitektur: EDAW (Mark Kuhne, Joe Bush, Blake Sanborn)
Energieplanung (Platz): Transsolar GmbH, München (Martin Engelhardt, Katrin Müllner, Johannes Aschaber, Wolfgang Kessling)
Kostenplanung: Page Kirkland (Robert Little,Blair Martin)
Renderings + Animationen: LAVA mit MIR Visuals, Bergen/LAVA mit atelier illumine, Sydney
Animationen: atelier illumine; Sydney, mit Kristof Gavrielides
Modellbau LAVA mit modeldepartment; Stuttgart
Architekten:
LAVA Architects, Stuttgart/Sydney/Abu Dhabi
Chris Bosse, Tobias Wallisser, Alexander Rieck
mit Sebastian Schott, Jarrod Lamshed, Timothy Schreiber, Stephan Albrecht, Dominyka Mineikyte, Kristof Gavrielides, Kim Nguyen Ngoc, Anh-Dao Trinh, Achim Kaufer, Gilles Retsin, Erik Escalante, Esan Rahmani, Michael Huiss, Martin Völkle, Justus Dietz, Alana Green, Ania Apolinarska, Sirri Jundi, Jonas Epper, Pascal Tures, Andrea Dorici
mit Kann Finch Dubai (Bob Nation, Gary Power, Philip Pedashenko)
Fachplaner und Berater:
Sonnenschirme: SL Rasch GmbH, Leinfelden-Echterdingen (Jürgen Pradatsch)
Tragwerks- und Energieplanung Gebäude: ARUP Sydney (Andrew Johnson, Haico Schepers, Adam Jackaway)
Landschaftsachitektur: EDAW (Mark Kuhne, Joe Bush, Blake Sanborn)
Energieplanung (Platz): Transsolar GmbH, München (Martin Engelhardt, Katrin Müllner, Johannes Aschaber, Wolfgang Kessling)
Kostenplanung: Page Kirkland (Robert Little,Blair Martin)
Renderings + Animationen: LAVA mit MIR Visuals, Bergen/LAVA mit atelier illumine, Sydney
Animationen: atelier illumine; Sydney, mit Kristof Gavrielides
Modellbau LAVA mit modeldepartment; Stuttgart