DETAIL 10.2023
Aus dem Editorial DETAIL 10.2023
Was steckt hinter der Hülle?
Fassaden wird seit jeher viel abverlangt: Sie geben Gebäuden ein Gesicht, sind Klimahüllen und Bedeutungsträger. Darüber hinaus waren sie immer „Orte der öffentlichen Selbstreflexion in der Architektur“, wie es der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp ausdrückt. Das klingt nach Nabelschau eines Berufsstands, ist jedoch unvermeidlich – vor allem dort, wo es um die Sanierung von Bestandsgebäuden geht, wo tradierte Baumaterialien in einen neuen Kontext gesetzt und überkommene Bauformen neuen Anforderungen gerecht werden sollen.
Zu welch fruchtbaren Ergebnissen das führen kann, zeigen die Beispiele in dieser Detail-Ausgabe. Wir dokumentieren die denkmalgerechte Sanierung zweier Bankhochhäuser in Bilbao und Düsseldorf, deren Fassadenbild und -hülle trotz des Funktionswandels der Gebäude detailgetreu wiederhergestellt wurden. Bei der Umnutzung eines Schlachthofs im tschechischen Ostrava zur Kunstgalerie überlagern sich die Abdrücke alter Fenster mit gigantischen neuen Fassadenöffnungen. Die zum Wohnhaus umgebaute Remise in Basel ist eine Reflexion über Fenster als Raumerweiterung und über die skulpturalen Potenziale der Architektur.
All diese Gebäude bergen Überraschungen, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen. Daher beschreiben wir nicht nur Entwurfskonzept und Entwurfsgenese, sondern zeigen auch die Konstruktion dieser alt-neuen Gebäudefassaden.